Wie ihr wisst, spreche ich mich schon lange für eine entzündungshemmende Ernährungsweise aus. Sie ist eine der tragenden Säulen bei der Eindämmung der Krankheitsaktivität von Morbus Bechterew und anderen rheumatischen Erkrankungen. Das habe ich selbst erlebt. Zum Glück können die allermeisten von uns ihr Ernährungsverhalten selbst steuern. Daher kann dieser Bereich durchaus zu den aktiven Bewältungsmöglichkeiten zählen.
Ich zitiere hier ja oft die stärkefreie Ernährung, weiß aber auch, dass die Befunde dazu recht umstritten sind. In dem zuvor verlinkten Artikel habe ich dazu ja ausführlich geschrieben. Nun bin ich ja von Natur aus sehr wissbegierig und so stöbere ich immer mal wieder durch die neue Literatur und beobachte, was die Wissenschaft so Neues herausfindet. Dabei beschreibe ich meine Sicht auf Morbus Bechterew in etwa so:
… Stellen wir uns doch einmal die Erkrankung wie einen Brunnen im Zentrum eines Marktplatzes vor. Und die verschiedenen Paradigmen seien vielleicht die Fenster der umliegenden Häuser, von denen aus man den Brunnen (die Erkrankung) gut anschauen kann. So hat jeder, der aus dem Fenster schaut, nur einen Blick bzw. eine Perspektive auf die Erkrankung. Da ich selbst betroffen bin, war es mir möglich, die verschiedenen Fenster aus dem Zentrum heraus anzuschauen mit all dem, was mir dort gezeigt wurde. Doch dazu habe ich auf meine Flexibilität zurückgreifen müssen, denn nur durch Beweglichkeit konnte ich meinen eigenen Blickwinkel stets neu ausrichten. …
Freie Psychotherapie, 2023
Im Sinne der genannten Beweglichkeit gleiche ich dann immer wieder meine vorhandenen Blickwinkel und mein bisheriges Wissen mit neuen Erkenntnissen ab. Da kommt es schon mal vor, dass ich mein Wissen revidieren muss oder es gibt Hinweise darauf, dass ich mit der ein oder anderen Überzeugung schon richtig liege. Wenn man die Analogie vom Marktplatz wieder aufgreift: Manchmal öffnet sich eben ein neues Fenster und lässt neue Erkenntnisse zu.
Um nun wieder den Bogen zu dem Thema Ernährung zu spannen: Nach wie vor ist die Datengrundlage bezüglich der Effekte von Ernährung bei rheumatischen Erkrankungen recht diffus und oft unzureichend. Daher freue ich mich umso mehr über die „Empfehlungen zur Modifikation der Ernährung als supportive Maßnahme bei rheumatischen Erkrankungen“ der Kommission f. Komplementäre Heilverfahren und Ernährung (2023, Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e.V.).
Diese fundierten Empfehlungen weisen – neben meiner subjektiv empfundenen Linderung – darauf hin, dass ich mit der von mir bisher gewählten Ernährung aus
- viel („clean“ zubereitetem) Obst und Gemüse
- wenig Zucker (ich selbst benutze Datteln oder Honig o.ä.)
- mäßige Menge an fettarmen und laktosefreien Milchprodukten
- höchstens 3 Eier pro Woche
- sehr wenig Fleisch (eher helles Fleisch oder Fisch)
- kohlenhydratarm (ich beziehe meine Kohlenhydrate stärkefrei aus Nüssen, Obst o.ä.)
- und mit Fastenzeiten
schon auf dem richtigen Weg bin. Schaut gern einmal in die Empfehlungen und seid neugierig darauf, was ihr selbst zum Positiven verändern könnt. Es lohnt sich auf jeden Fall! Denn neben weniger rheumatischer Krankheitsaktivität, können positive Nebeneffekte (Energiezuwachs, Gewichtsverlust, geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes) damit verbunden sein.
Wenn ihr zunächst einmal mit kleinen Veränderungen beginnen möchtet, kann die mediterrane Ernährung geeignet sein. Entsprechende und fundierte Empfehlungen könnt ihr hier nachlesen.
Erneut weise ich darauf hin, dass ich hier meine sehr persönlichen Erfahrungen im Umgang mit Morbus Bechterew beschreibe. Das ist kein Heilversprechen, ersetzt keinen ärztlichen Rat oder ist mit diesem vergleichbar. Weil es mir Linderung verschafft hat, teile ich mein Wissen mit euch… Wissen sammeln und mit der Ärztin oder dem Arzt eures Vertrauens besprechen und individuell anpassen – das kann ein guter Weg im Umgang mit rheumatischen Erkrankungen sein. Und da die verlinkten Papiere mitunter schon echt sehr fachlich und nicht so einfach zu verstehen sein können, wären es wunderbare Gesprächsgrundlagen für ein Patient-Arzt-Gespräch (immer m/w/d).
Auch wenn wir die noch unheilbare Krankheit scheinbar nie loswerden, können wir doch eine ganze Menge zur Beschwerdefreiheit beitragen. Ganz im Sinne von Selbstermächtigung. Ernährung, Sport und positives Denken können uns dabei helfen. Bleibt dran 🙂 eure Muna