Allgemein

Leserbrief

Liebe Leser*innen,

heute möchte ich gern ausnahmsweise und in Absprache mit der Betroffenen einen Leserbrief veröffentlichen. So wie ihr geht es sicher einigen Betroffenen und daher möchte ich meine Antworten auf ihre Fragen gern mit euch teilen. Zum Schutz ihrer personenbezogenen Daten werde ich sie nachfolgend „B.M.“ nennen.

Liebe Muna, ich bin vorhin auf deinen Blog gestoßen. Da ich auch die London Diät beginnen möchte, wollte ich mich noch etwas schlau machen. Zunächst war ich total überzeugt. Nachdem ich aber über kritische Stimmen gelesen hatte, bin ich etwas verunsichert. Angeblich soll die Entzündung nach einer Besserung richtig schlimm werden. Wie ist deine Erfahrung. Kannst du etwas darüber berichten. 
Ich bin 46 Jahre alt und die Diagnose habe ich mit 31 Jahren bekommen. Seit vielen Jahren bin ich in Homöopathischer Behandlung und versuche naturheilkundlich zu behandeln. Medikamente wie Ibuprofen nehme ich äußerst selten. Nun stecke ich aber seit Sommer 2020 im Schub und find3 nicht heraus. Daher ein erneutes Suchen im Netz und zum ersten Mal lese ich über diese Stärke-diät. 
Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.
Liebe Grüße.“
B. M.
(Leserbrief vom 25.01.2020; Name redaktionell verändert)

Wir telefonierten daraufhin und „B.M.“ erzählte mir dann noch weiter, dass sie im Internet einige Beiträge gelesen hatte, die von begeisterten Anwendern der London-anti-starch-diet schrieben, die nicht dauerhaft Berichte posten würden. Es gäbe nur kurze positive Berichte vom Beginn der Diät – doch keine Langzeitberichte. Es würde dabei unterstellt, dass die Ernährung keinen dauerhaften Erfolg bringen würde. Diese Behauptungen würden durch keine wissenschaftlichen Daten gestützt.

Dazu habe ich sinngemäß wie folgt geantwortet:

Es eine zeitgemäße und nachvollziehbare Herangehensweise, sich im Internet so viele Informationen wie möglich zusammenzusuchen. Das habe ich ja auch getan. Allerdings spielt hierbei unser kritischer Verstand eine große Rolle. Und mit kritisch meine ich nicht voreingenommen „abgeneigt“, sondern vielmehr mit wachem Verstand neue Fakten aufnehmen und hinterfragen – ihr Für und Wider gegeneinander abwägen – usw.

Hier im Netz können Menschen viele Thesen verbreiten – wissenschaftlich fundierte und eben auch andere. Doch ich animiere dabei immer wieder, im Falle von Unsicherheiten auf belastbare Fakten, die einer kritischen Betrachtung Stand halten und damit Sicherheit geben können, zu schauen. Zu der London-anti-starch-diet gibt es klinische Studien und wissenschaftliche Belege dafür, dass diese Ernährungsform dazu beitragen kann, die Krankheitsaktivität zu minimieren (u. a. haben Dr. Alan Ebringer et. al., Kings College, London, dazu berichtet).

Wenn es andere Stimmen dazu gibt, dann frag‘ doch bitte nach, ob diese Personen sich einzig und allein auf die Ernährung verlassen und/oder diese auch konsequent befolgt haben. Eine annähernde Symptomfreiheit kann ein Bechti nicht einzig und allein mit Ernährung erreichen. Nach meiner persönlichen Erfahrung spielen dabei drei Lebensbereiche eine große Rolle:

Hier in diesem Blog habe ich mich mit Ernährung, Sport und positivem mindset ausführlich auseinandergesetzt. Auch ich hatte unter konsequenter Diät hin und wieder Entzündungsschübe. Wenn ich dann aber genauer auf meine seinerzeitige Lebenssituation geschaut habe, war entweder zu viel Stress vorhanden (über die Auswirkung von Stresshormonen auf die Entzündungsaktivität unserer Erkrankung hatte ich bereits geschrieben) und/oder mein Sportprogramm war unzureichend.

Es ist oft nicht das Offensichtliche, was die Ursache darstellt …

Du hast mir auch berichtet, liebe „B.M.“, dass du seit etwa einem halben Jahr unter einem Schub leiden würdest und die Medikamente kaum nimmst. An dieser Stelle eine große Bitte in eurem eigenen Interesse, liebe Bechtis: Im Falle eines Schubes könnt ihr sehr viele flankierende Maßnahmen ergreifen, die zur Linderung beitragen. Doch bitte behandelt in diesem Fall mit der von eurem begleitenden Rheumatologen besprochenen Medikation. Die große Gefahr, dass nach der Entzündung irreversible Versteifungen eintreten, ist eine vermeidbare Folge. Dazu sind die entzündungshemmenden Medikamente eben auch gedacht.  Auch ich schaffe es nicht, einzig und allein mit Sport und Ernährung und einem positiven mindset die Erkrankung vollständig zum Stillstand zu bringen. Doch die Erkrankungsaktivität auf ein vertretbares Minimum zu reduzieren – das ist mir dauerhaft gelungen. Ich persönlich finde den damit einhergehenden Aufwand gewinnbringend investiert.

Du fragtest auch danach, ob man – wie andere Diäten auch – diese Ernährung nur für eine Weile im Leben bräuchte und sie dann wieder ändern könne.

Dazu kann ich dir leider keine belastbaren Langzeitstudien benennen. Doch meine persönliche Erfahrung hat gezeigt, dass ich im Falle eines Diätfehlers manchmal schon binnen Stunden mit einem Schub rechnen konnte. Das belegt ja auch irgendwie die Wirksamkeit der Diät. Daher wende ich diese Ernährungsform dauerhaft an.

Eine weitere Frage im Telefonat war von dir auch, ob es nicht durch diese Diät zu Mangelerscheinungen käme.

Dazu habe ich dir berichtet, dass es ja nicht darum geht, nur die stärkehaltigen Lebensmittel aus dem Speiseplan zu STREICHEN, sondern sie zu ERSETZEN. Diese Diät bringt dich dazu, dich so intensiv mit dem auseinanderzusetzen, was in welchen Lebensmitteln enthalten ist, dass sich die ErnährungsEINSTELLUNG dadurch vielmehr hin zu einer BEWUSSTEN Ernährung verändern kann. Das empfinde ich persönlich als eine gute Entwicklung. Durch die regelmäßigen Routineuntersuchungen erhebt meine behandelnde Ärztin durch Laborwerte unter anderem genau auch das – ob Mangelerscheinungen zu beobachten sind. Da vertraue ich dann wieder gern der Schulmedizin. Die gesamte Phase der Ernährungsumstellung hat meine Ärztin mit überwacht, mich jederzeit gut beraten und das fortlaufend.

Vielleicht ist das hier eine passende Stelle, um mich noch einmal zu positionieren. Es ist nach meiner Auffassung wichtig, für einschneidende Entscheidungen im Leben eine gute Grundlage zu haben, z. B. wissenschaftliche Befunde. Die Schulmedizin hat hier Großartiges geleistet. Ich glaube auch, dass die Schulmedizin in ihrer Sicht der Dinge manchmal (und personenabhängig) nicht alles berücksichtigt, was Wirkung hat. Und auch die alternative Medizin nimmt für sich manchmal in Anspruch, die einzig richtige Sichtweise zu vertreten. Daher finde ich persönlich eine Balance aus diesen beiden Bereichen sehr wichtig. Beide haben ihre Berechtigung und auch Unzulänglichkeiten.

Zu oft kann man noch beobachten, wie Schulmedizin und alternative Medizin gegeneinander arbeiten. Ist es nicht vielmehr das Ziel, sich interdisziplinär zusammenzuschließen, um gemeinsam Erfolg zu haben? Zum Wohl der Betroffenen! Es ist nicht allein die Schulmedizin, die hier die alleinige Berechtigung hat und auch die alternativen Maßnahmen allein wären nicht zielführend. Es geht um die sinnvolle Bündelung von wertvollen, wirksamen und erfolgversprechenden Ressourcen aus beiden Bereichen.

Ein Puzzle ergibt doch auch nur ein schönes Gesamtbild, wenn man Rahmen und Innenteile zusammenfügt – an der richtigen Stelle – an dem richtigen Platz.

Liebe Bechtis, schaut euch also mit einem kritischen Verstand um, sammelt Fakten und hört auf euer Bauchgefühl (übrigens ein total tolles Instrument unseres Unbewussten, dass auf unzählige von euch persönlich gesammelte Fakten mühelos zugreifen kann – auch implizites Wissen genannt), um dann gute individuelle Entscheidungen für euch selbst zu treffen. Es kann und wird euch und uns leider keiner die Erkrankung abnehmen. Doch es gibt Unterstützungsangebote – hinterfragt die Motive dieser !!! Auch die negativer Stimmen …

So, liebe „B.M.“ ich hoffe, dass dir mein Bericht zum Stand der Dinge auch nach Jahren mit dieser Ernährung ein wenig mehr Sicherheit geben konnte, um DEINEN Weg zu finden.

Wer nun gern noch ein paar wissenschaftlich belastbare Fakten lesen möchte, den verweise ich auf meinen „Kollegen“ Michael, der auf seiner Internetseite ganz viel Lesenswertes für uns zusammengetragen hat … folge diesem link.

Mit lieben Grüßen und bis ganz bald wieder, eure Muna

2 Gedanken zu „Leserbrief“

  1. Hallo Muna,
    ich bin Kinder- und Jugendpsychiater und -psychotherapeut und in erstem Ausbildungsgang Kinder- und Jugendmediziner. Mit Interesse habe Deine Ausführungen gelesen und bin sehr angetan von Deiner differenzierten Betrachtung von sinnvollen und wirksamen Maßnahmen aus dem gesamten Bereich der Heilverfahren. Statt der Trennung von Schul- und Alternativmedizin nutze ich eher die Trennung in evidence-based-medicin und Erfahrungsmedizin, denn auch Schulmediziner argumentieren häufig auch nicht evidence-based, sondern erfahrungsgeleitet gegen alternative Heilverfahren. Das ist dann auch nicht sehr professionell, auch wenn das gerne mit Verweis auf Studium und Approbation suggeriert wird. Und dann geht’s ganz schnell um Angst vor Verlust der Deutungshoheit, dabei sollten wir nie aufhören, interessiert und neugierig zu bleiben für all das, was unseren Patienten hilft. Und da frage ich auch gerne, was jedem einzelnen individuell und subjektiv geholfen hat.
    Daher finde ich eine professionelle Internetseite aus dem sogenannten Selbsthilfebereich umso hilfreicher. Für andere Betroffene, aber auch als Informationsmöglichkeit für uns Schulmediziner. Denn gerne verweise ich PatientInnen und Angehörige auf gutgemachte Seiten. Und manchmal kommentiere ich auch.
    In diesem Fall mir insbesonders wichtig für alle Betroffenen: bitte nicht auf indizierte Antiphlogistika (entzündungshemmende Medikamente) in Absprache mit dem behandelnden Arzt verzichten, da unnötige Folgeprobleme auftreten, die die Lebensqualität erheblich einschränken können.
    Und weiterhin die unbewussten psychologischen Prozesse und allgemein gesundheitsfördernden Maßnahmen (Bewegung, Ernährung, „positiver Mindset“ UND angenehme und entwicklungsfördernde Sozialkontakte) nicht vernachlässigen. Die Hirnforschung liefert erstaunliche Hinweise für die Wirkungsweise bisher als „Plazebo“ disqualifizierte Maßnahmen.
    Bitte weiter so!
    Alles Gute für Deine weitere Mission,
    Volker

    Gefällt 1 Person

    1. Lieber Volker, herzlichen Dank für deinen Kommentar. Es ist großartig, um die Reichweite und Wertschätzung meiner Bemühungen zu wissen und dein Feedback finde ich in vielerlei Hinsicht sehr wertvoll … und … meine Formulierungen zur Abgrenzung der Heilbereiche werde ich künftig dahingehend gut bedenken. Bleib‘ gesund und auch für dein Wirken alles Gute. Muna

      Gefällt mir

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