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Waldbaden

Liebe Leser,

manchmal kann Weihnachten als Fest der Liebe und der inneren Einkehr auch Missstände ans Tageslicht bringen. Das kann wiederrum zu emotionalem Stress führen und ihr wisst ja bereits, wie ungünstig sich dieser auf die Krankheitsaktivität von Morbus Bechterew auswirken kann.

Als kleine Auffrischung: Stress ist die körperliche und psychische Reaktion auf eine subjektiv als Bedrohung bzw. eine als nicht bewältigbar wahrgenommene Situation. Der Körper schüttet dann Stresshormon aus, welches auch für einen Schub verantwortlich sein kann. Daher ist es für uns Bechtis wichtig, um „Handwerkszeug“, die sogenannten Bewältigungsstrategien zu wissen. Je mehr Handlungsstrategien ich kenne und anwenden kann, die mir einen guten Umgang mit unterschiedlichen Lebenssituationen ermöglichen, je weniger muss ich diese als „unbewältigbar“ erleben. Auf dieser Seite habe ich dazu ausführlicher geschrieben: Zum Jahresausklang noch etwas Tiefsinniges…

Es ist also gut, wenn wir unseren „Handwerkskoffer“ gut gefüllt haben, um wählen zu können …

Heute stelle ich euch daher eine weitere Möglichkeit vor, gut für euch zu sorgen: Das Waldbaden. Keine Bange… hier geht es nicht darum, im Wald ein klassisches Bad zu nehmen. Das wäre doch schon auch ziemlich ungewöhnlich 🙂

Der japanische Begriff „Shinrin Yoku“ beschreibt das „Baden in der Atmosphäre des Waldes“ (vereinfacht „Waldbaden“) und wurde 1982 durch das japanische Ministerium für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei geprägt und steht für die Wissenschaft rund um die Heilkräfte des Waldes. In Japan beschäftigen sich Wissenschaftler bereits länger mit dieser und seit einiger Zeit erobern diese Ergebnisse auch die westliche Welt.

Bei dem Waldbaden geht es darum, in den Wald „einzutauchen“, sich die heilsamen Kräfte auf vielen verschiedenen Ebenen nutzbar zu machen. Ein wirksames Element sind die Terpene, die von den Pflanzen/Bäumen ausgeschütteten Botenstoffe, denen eine günstige Wirkung auf den Körper nachgewiesen werden konnte. Tsunetsugu et al. wiesen im Jahr 2007 in ihrer Studie die Verringerung von Blutdruck und Puls, eine Vergrößerung der Herzratenvariabilität (Indikator für Regeneration/Entspannung), eine Verringerung der Konzentration von Stresshormonen wie Cortisol und Adrenalin und das Umschalten des Nervensystems auf Regeneration nach (Tsunetsugu et al. 2007; Song et al. 2014; Park et al. 2010; Park et al. 2007; Park et al. 2009).

Da es sich bei Morbus Bechterew um eine Autoimmunerkrankung handelt, ist es für uns Bechtis besonders die Information wissenswert, welche Wirkung der Wald auch auf das Immunsystem haben kann. Bei den Studien hierzu standen vor allem die natürlichen Killerzellen im Fokus, Waldbesuche scheinen sich positiv auf die Aktivität der „Natürlichen Killerzellen“ im Körper auszuwirken und dieser Effekt hält sogar über mehrere Tage an (Li et al. 2008; Li 2010).

Bei Morbus Bechterew finden sich häufig auch sogenannte Co-Morbiditäten – Krankheiten, die als Folge oder in der Kombination mit „Morbus“ vorkommen. Eine chronische Schmerzerkrankung stellt sehr häufig auch eine Belastung für die Psyche dar und so verwundert es wohl kaum, dass diese als Folge ebenfalls erkranken kann. Auch auf die Psyche der Menschen kann der Wald günstig wirken. Wer meinen Blog verfolgt, weiß sicher inzwischen, dass mir bei allem Praxisbezug auch immer der wissenschaftliche Aspekt wichtig ist. Daher könnt ihr zu diesem Thema unter diesem link ausführlicher lesen, was die Uni München mit den entsprechenden Studien benannt hat.

Ganz nebenbei möchte ich noch erwähnen, dass die Begründerin der EMDR-Traumatheraie, Francine Shapiro, diese Therapieform aufgrund einer zufälligen Entdeckung im Wald entwickelt hat: Sie ging mit sorgenvollen Gedanken in den Wald und ihr Blick wurde durch das Wechselspiel des Lichts im Wald kontinuierlich von links nach rechts gelenkt – sie bemerkte, dass der subjektiv empfundene Leidensdruck geringer wurde. Diese Beobachtung verfolgte sie durch wissenschaftliche Studien und entwickelte daraus die so wirksame Therapieform EMDR.

Wie ihr seht – je mehr man sich mit den verschiedenen Handlungsmöglichkeiten beschäftigt, je größer wird der Radius, in dem man sich bewegen kann. Und genau das ist doch für uns Bechtis so wichtig: Sich die Beweglichkeit erhalten (oder neu zu schaffen ;-)) Soviel aber zunächst für heute zu diesem Thema. Wie genau das in der Praxis aussehen kann, beschreibe ich in meinem nächsten Beitrag. Also, bleibt neugierig 😉

Bis dahin ganz liebe Grüße,

Muna

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