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Herausforderungen – Schicksalsschlag oder Chance?

Wie begegnest du Herausforderungen? Erlebst du schwierige Lebenssituationen bzw. Aufgaben als eine Art Schicksalsschlag oder nimmst du diese als Chance wahr? Die Chance, dein Leben selbstbestimmt in eine noch bessere Richtung zu lenken?

Unsere innere Haltung bzw. Bewertung – mit der wir Herausforderungen begegnen – bestimmt darüber, ob wir diese Herausforderung als Stressauslöser erleben oder nicht. Die negativen Wirkungen von Stress auf unsere Erkrankung, habe ich in meinem Buch ja ausführlich beschrieben.

Ich höre immer wieder, dass man mir die Erkrankung nicht immer ansieht. Oft glauben die Menschen, die mir begegnen: Die Frau geht ja so positiv mit der Erkrankung um und teilt auch noch ihr Wissen. Der muss es wohl recht gut gehen. Tatsächlich habe ich allerdings lediglich gelernt, mich mit meiner Erkrankung und den daraus resultierenden Einschränkungen gut zu arrangieren. Die Anpassung an diese Einschränkungen kostet mich aber nach wie vor Kraft. Doch ich lasse nicht zu, dass mich der Morbus Bechterew lebt, sondern ich lebe MIT Morbus Bechterew. Das ist meine mentale Haltung. Und zu erkennen, was ich kann und was nicht (mehr) … darin lag der Schlüssel zu einer grundlegenden Veränderung und ob ich die Erkrankung als permanenten Stressauslöser erlebe oder nicht.

Wie kann man sich das ganz praktisch vorstellen? Dazu möchte ich euch heute davon erzählen, wie ich mit einer aktuellen Herausforderung umgegangen bin: Wegen fortbestehender Probleme meines Magen-Darm-Trakts befand ich mich in ärztlicher Behandlung. Damit war eine eingehende Diagnostik verbunden und als Ergebnis kam unter anderem heraus, dass ich an einer Histaminintoleranz (kurz HIT) leide. „Super!!! Ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk…“ so mein erster Impuls.

Zuerst war ich überfordert von dieser Information. Ich wusste bereits, dass man diese HIT mit einer strengen „Diät“ behandeln und bestmöglich sogar ausheilen könnte. Meine ersten Gedanken waren aber auch: „So. Stärkehaltige Lebensmittel klappen nicht, laktosehaltige auch nicht. Was kann ich dann überhaupt noch essen?“ Besonders blöd ist, dass sich einige Lebensmittel der Listen gegenseitig ausschließen. Da blieb wirklich nicht ganz so viel übrig. Persönliche Abneigungen reduzierten dann noch einmal die Auswahl.

Wisst ihr, das Herausfordernde an solchen Nachrichten ist, dass sie einen vollkommen unbewusst in ein alte, vergangene Situation zurückversetzen können, in denen man sich womöglich nicht in der Lage sah, so etwas ähnliches zu bewältigen. DAMALS. Und es fühlt sich dann erst wie die Ohnmacht von damals an. Doch inzwischen hat man in der Regel ja viel mehr Kompetenzen angesammelt – als damals. Und ein entscheidender Unterschied zu der damaligen Situation ist, dass man meist heute die nötige Kraft und Kompetenz hat, diese zu bewältigen. Es ist also wichtig, sich darauf zu besinnen, was heute im Hier und JETZT möglich ist. Und zu unterscheiden, was nicht möglich ist.

„Gott, gib mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ (Reinhold Niebuhr)

So kann ich diese Veranlagung nicht verändern. Was ich aber beeinflussen kann, ist meine innere Haltung zu dieser neuen Herausforderung. Ich schaue also, was in meiner Macht liegt und das ist z. B. meine Ernährung. Außerdem habe ich meine Kompetenzen diesbezüglich erweitert und neues Wissen angesammelt. Dabei sind mir zuverlässige wissenschaftliche Quellen wichtig. Bei mir wurde z. B. festgestellt, dass mein Körper das Enzym DAO (Abkürzung für Diaminoxidase) nicht ausreichend selbst bilden kann. Dieses Enzym ist notwendig, um Histamin im Körper abzubauen. Ist zu viel Histamin im Körper vorhanden, kann das verschiedene negative Auswirkungen, wie z. B. Allergien zur Folge haben. Mir persönlich hat es geholfen, auf Rat meiner Ärztin, dieses Enzym DAO vor histaminhaltigen Mahlzeiten als Nahrungsergänzungsmittel zu mir zu nehmen.

Übrigens: Histamin steht im engen Zusammenhang mit Stresshormonen.

Es ist also wichtig, sich auf den verbleibenden Handlungsspielraum zu besinnen und die Verantwortung für das eigene Leben und die Gesundheit zu übernehmen: Herausforderungen als Chance nutzen.

Wie soll das also gehen? Das sind Kompetenzen die man erlernen kann. So, wie Fahrradfahren. Das konnte man zuerst auch nicht und war unsicher bei den ersten Versuchen. Hat man sich aber überwunden und geübt, wurde es immer einfacher und vertrauter. Es gibt ja zahlreiche Literatur zu diesem Thema. Einige grundlegende Strategien der Selbsthilfe beschreibe ich ja auch in meinem Buch.

Wer aber mehr dazu wissen möchte, als ich hier beschreibe, könnte z. B. auch bei der RheumaLiga an einem Seminar teilnehmen, einem ganz praktischen Ansatz: Das Selbstmanagement-Seminar.

Im November durfte ich nach entsprechender Fortbildung die Ernennung zur Trainerin im Selbstmanagement-Projekt der RheumaLiga in Empfang nehmen und freue mich nun, ab dem nächsten Jahr andere Betroffene darin zu unterstützen, ganz in dem Sinne: „Nimm dein Leben in die Hand“.

In diesen Seminaren wollen wir die Erkrankung und unseren Handlungsspielraum verstehen lernen – mit ganz vielen praktischen Tipps und Austausch mit anderen Betroffenen. Wir wollen all das ins Bewusstsein bringen, was wir zu steuern vermögen und auch helfen, falls es noch nicht so gut gelingt. ZUSAMMEN! Mehr darüber könnt ihr hier lesen.

Ich wünsche euch nun einen besinnlichen ersten Advent und eine schöne Vorweihnachtszeit.

Herzliche Grüße von Muna

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